Buchempfehlung: Utopien für Realisten

Rutger Bregman

Buchempfehlung, Kritik, Rezension und Zusammenfassung zu "Utopien für Realisten" von Rutger Bregman

Utopien für Realisten von Rutger Bregman ist eine Herausforderung. Denke das Unmögliche und verfolge deine eigene utopische Idee!

Utopien sind seit jeher ein grosser Antrieb für die Menschheit. Ein Beispiel ist die uralte Utopie vom Schlaraffenland, wo Milch und Honig fließen und gebratene Enten umherfliegen.

Nach mittelalterlichen Maßstäben leben wir heute in diesem vormals utopischen Schlaraffenland. Mit einen kurzen Anruf können wir eine Auswahl an Hunderten Mahlzeiten liefern lassen. Unsere Medizin kann Wunder vollbringen: „Blinde und Gelähmte“ heilen, unser Leben verlängern und uns Schönheit oder Schlankheit bringen. Im Land mit der geringsten Lebenserwartung leben die Menschen heute länger als in jedem Land der Welt um 1800. Wir leben in hoher Sicherheit, haben Heizungen und Klimaanlagen, ein Sozialsystem und eine geringe Mordrate.

Heute haben wir wohl mehr erreicht, als sich die Menschen im Mittelalter ausgemalt haben. Wir forschen an Technologien, die vor wenigen Jahrzehnten nur in Science Fiction-Filmen vorkamen. Und doch würden die wenigsten von uns die Welt heute uneingeschränkt als Paradies bezeichnen. Einerseits haben wir zwar einen hohen Wohlstand und Lebensstandard erreicht und können endlos viel konsumieren. Andererseits treten jedoch neue Probleme auf, wie zum Beispiel eine weitverbreitete Fettleibigkeit, höhere staatliche Überwachung, Ungleichheit und extreme Umweltverschmutzung. Zudem empfindet ein grosser Anteil der arbeitenden Bevölkerung die eigene Arbeitstätigkeit als überflüssig und komplett nutzlos.

Warum arbeiten wir trotz unseres großen Wohlstands immer härter. Warum haben wir es nicht schon längst geschafft, die große Ungleichheit und Armut auf der Welt zu beseitigen?

„Das wahre Problem, dass wir uns nichts Besseres vorstellen können.“

In „Utopien für Realisten“ hält der Rutger Bregman ein flammendes Plädoyer dafür, dass wir als Menschen und als Gesellschaft neue Utopien verfolgen. Er ist ein Verfechter für das bedingungslose Grundeinkommen, die Reduktion der Arbeitszeit und die Öffnung der Grenzen. Er behandelt große Ideen für die Zukunft und untermauert sie mit vielen wissenschaftlichen Erkenntnissen, Beispielen und Details.

Die 15-Stunden-Woche als eine der Utopien für Realisten

„Utopien für Realisten“ dreht sich um die Frage: Bringt immer mehr Arbeit unsere Gesellschaft wirklich weiter?

Unser heutiger Wohlstand ist laut Bregman ein Geschenk der Vergangenheit. Wir haben es den hart arbeitenden Generationen vor uns zu verdanken, dass wir heute eigentlich alles haben. Deshalb ist es verständlich, dass die vorherrschende Meinung lautet: Wer arbeitet, tut etwas Gutes für unsere Gesellschaft.

Doch inzwischen kann die Mehrheit in unserer Gesellschaft bis weit über die Grundbedürfnisse hinaus konsumieren. Die benötigten Güter werden dank der steigenden Automatisierung und Produktivität immer schneller und günstiger produziert. Zulasten der Umwelt und mit steigender Ressourcenverschwendung.

Bis zur Jahrtausendwende erzeugte dieser Fortschritt auch immer mehr Jobs. Aus der Arbeitergesellschaft wurde die Dienstleistungsgesellschaft. Für die neuen, wissensintensiveren Jobs mussten sich die Arbeitnehmer besser und länger ausbilden. Heute ist gefühlt für fast jeden Beruf ein Studium notwendig.

Doch zum Beginn des 21. Jahrhunderts erhöhten die Computer plötzlich das Tempo. Es folgte die „große Entkopplung“, wie zwei MIT Experten das Paradox benannten: Die Produktivität und Innovation schreiten weiter voran, jedoch sinken das Medianeinkommen und die Zahl der Arbeitsplätze. Der Grund: Bisher wurde unsere Muskelkraft durch Maschinen ersetzt. Doch nun geht es an unseren Verstand. Die Rechenleistung von Computern wächst exponentiell entsprechend Moores Law. Roboter und KI können in zunehmend mehr Alltagsbereichen unsere geistigen Fähigkeiten ersetzen.

Vor dem Hintergrund dieser Trends und Entwicklungen erscheint die 15-Stunden-Woche als logische Konsequenz und Notwendigkeit.

Doch mit Blick auf die täglichen Schlagzeilen muss man die Ideen von Rutger Bregman heute noch als Utopie bezeichnen, obwohl diese eigentlich schon sehr alt sind. Der „Schutz von Arbeitsplätzen“ ist in der Politik immer noch ein geflügeltes Wort. In den Betrieben wird mehr Effizienz von den Mitarbeitern gefordert, um konkurrenzfähig zu bleiben. Das Bildungssystem versucht, Menschen zu formen, die mit den Computern Schritthalten können sollen.

Um die Menschen in Beschäftigung zu halten erschaffen wir immer mehr „Bullshit Jobs“, die keinen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen und die besten Talente verschwenden. Rutger Bregman: „Eine der großen Tragödien unserer Zeit ist, dass es so viele unglaublich intelligente, talentierte junge Menschen gibt, die früher für die Regierung oder in der Forschung gearbeitet hätten oder Astronauten geworden wären, heute für das Silicon Valley oder Wall Street arbeiten, Banker oder Unternehmensanwälte werden wollen.“

Ohne Notwendigkeit erschaffen wir ein Hamsterrad an Arbeit, welches Menschen belastet, ihre Zeit einfordert und sie krank macht, obwohl wir als Gesellschaft bereits mehr haben, als wir eigentlich brauchen.

Lies „Utopien für Realisten“ von Rutger Bregman, um zu erfahren, warum Freizeit unser grösstes Problem sein wird und was ein Bankenstreik über die Notwendigkeit unseres Finanzsystems offenbart hat.

Das bedingungslose Grundeinkommen als eine der Utopien für Realisten​

1500 € monatlich für jeden Menschen in Deutschland. Würdest du kündigen und faul werden? Oder wäre das deine Chance, um den zwar schlechter bezahlten aber erfüllenden Beruf zu ergreifen oder die Geschäftsidee umzusetzen, für die du brennst?

Rutger Bregman geht die Idee zunächst von einer wissenschaftlichen Seite an. Er stellt einen spannenden Überblick über die vielen Studien und Experimente zur alten Idee des bedingungslosen Grundeinkommens vor. Die Ergebnisse machen Mut, dass das bedingungslose Grundeinkommen eine Lösung für viele gesellschaftliche Probleme und Trends sein könnte. Interessanter Fakt: Der Republikaner Richard Nixon war schon 1969 kurz davor, das Grundeinkommen in den USA einzuführen.

Dann führt der Autor anschaulich durch die vielen Vorteile des bedingungslosen Grundeinkommens. Es leistet schnellere und effektivere Armutsbekämpfung als unsere heutigen Sozialsysteme. Die Menschen sind von der mentalen Belastung durch Armut erlöst und werden freier, besser und produktiver. Das Einkommen ist bedingungslos und nicht an die entwürdigenden Vergabe- und Kontrollmechanismen unseres teuren Wohlfahrtsstaats geknüpft.

Die Mitarbeiter von Google, Amazon und Co. werden Arbeit haben und gut versorgt sein. Doch die Arbeit von vielen Menschen wird mittelfristig wegfallen, da Computer sie erledigen. Dann kann ein bedingungsloses Grundeinkommen für eine bessere Gleichverteilung der „Dividende unseres Wohlstands“ sorgen.

Wenn dich interessiert, was wir bisher über die Wirkung des bedingungslosen Grundeinkommens wissen, dann lies „Utopien für Realisten“.

TED Talk "Warum wir jedem ein bedingungslosen Grundeinkommen geben sollten" von Rutger Bregman

Offene Grenzen als eine der Utopien für Realisten

Mit der dritten Zukunftsidee erweitert Rudger Bregman unseren Horizont. Ein Blick jenseits unserer gut eingezäunten Außengrenzen offenbart, wie viele Menschen wir von unserem Wohlstand ausgrenzen.

Wird heute ein Kind auf unserer Welt geboren, ist die lebensbestimmende Hauptfrage: wo?

Rutger Bregman veranschaulicht durch plastische Vergleiche und eindrucksvolle Fakten die Ungleichheit und Diskriminierung auf der Erde. „Auf die ärmste Milliarde der Menschheit entfällt nur 1 Prozent des globalen Konsums, während die reichste Milliarde 72 Prozent aller Güter und Dienstleistungen verbraucht.“ Parallel zum Land des Überflusses existieren Länder in Armut: „Die Wahrscheinlichkeit, dass es (ein somalisches Krabbelkind) seinen fünften Geburtstag nicht erleben wird, liegt bei 20 Prozent.“

Warum lassen wir das zu? Bereits mit einem sehr geringen Anteil unseres Wohlstands können wir Hunger und Armut von der Welt auslöschen. Die beste Methode wäre laut Bregman die Öffnung der Grenzen. Doch wir machen es noch schlimmer: Mit Grenzen verwehren wir den Zugang zum Markt und damit zu der Möglichkeit, legal und angemessen entlohnt für sich selbst zu sorgen.

Es gibt einige Kritiker, die Argumenten gegen die Öffnung der Grenzen vorbringen. In „Utopien für Realisten“ wird die gefühlte Bedrohung durch Grenzöffnungen mit den Daten und Fakten abgeglichen und diskutiert. Interessant ist auch die Reise durch die randomisierten kontrollierten Studien zur Wirksamkeit von Entwicklungshilfe von Esther Duflo.

Werden wir auf unsere Zeit der Grenzen und ethisch untragbaren Abschottung ähnlich zurückblicken, wie wir uns heute an Sklaverei und Apartheid erinnern?

Migration war jedenfalls immer ein Treiber für Fortschritt in der Menschheitsgeschichte. Das Buch „Utopien für Realisten“ liefert gute Argumente dafür, die Utopie der offenen Grenzen endlich wahr werden zu lassen.

TED Talk "Armut ist kein Mangel an Charakter" von Rutger Bregman

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Utopien für Realisten

Utopien sind seit jeher ein grosser Antrieb für die Menschheit. Ein Beispiel ist die uralte Utopie vom Schlaraffenland, wo Milch und Honig fließen und gebratene Enten umherfliegen.

URL: https://www.ownyourfinance.de/buchrezension/utopien-fur-realisten-kritik-rezension/

Autor: Bregman, Rutger

Name: Utopien für Realisten

URL: https://www.rowohlt.de/taschenbuch/rutger-bregman-utopien-fuer-realisten.html

Autor: Bregman, Rutger

ISBN: 978-3499633003

Veröffentlichungsdatum: 2021-10-13 10:57

Format: https://schema.org/Hardcover

Name: Utopien für Realisten

URL: https://www.rowohlt.de/buch/rutger-bregman-utopien-fuer-realisten.html

Autor: Bregman, Rutger

ISBN: 978-3499633003

Veröffentlichungsdatum: 2021-10-13 10:57

Format: https://schema.org/AudioBook

Bewertung des Redakteurs:
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